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Den Nazis Widerstand geleistet


Die Schülerinnen Luise Traxel und Vanessa Behr forschten über die Edelweißpiraten. Die beiden 15-Jährigen beschäftigten sich in ihrer Arbeit unter anderem mit der vieldiskutierten Ehrenfelder Gruppe. 
Vanessa Behr (l.) und Luise Traxel haben für ihren Beitrag zum Geschichts-wettbewerb des Bundespräsidenten einen Förderpreis erhalten. Das Thema ihrer Arbeit lautet: „Die Edelweißpiraten - Verbrecher oder Vorbilder?“
(Bild: CA)

Bergisch Gladbach - Waren die Edelweißpiraten Verbrecher oder Vorbilder? Dieser Frage sind Luise Traxel und Vanessa Behr in ihrem Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten nachgegangen. Was die beiden Schülerinnen des Bergisch Gladbacher Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums unter anderem faszinierte, war das Alter der Edelweißpiraten. Schließlich seien die Jugendlichen, die sich gegen das Nazi-Regime wehrten, erst 16 oder 17 Jahre alt gewesen - etwa so alt wie die beide Schülerinnen heute.

Geschichtslehrerin Raphaela Tkotzyk hatte zu Beginn des vergangenen Schuljahres, im Herbst 2008, von dem Geschichtswettbewerb erzählt und die ganze Klasse zur Teilnahme motiviert. „Die NS-Zeit war auch Thema bei uns im Unterricht. Wir fanden es da schon interessant, weil es ja noch gar nicht so lange her ist“, erzählt Vanessa Behr. „Ich hatte einige Zeit vorher mal einen Film über die Edelweißpiraten gesehen, und so schlug ich sie Vanessa als Thema für den Wettbewerb vor“, berichtet Luise Traxel. Gemeinsam informierten sie sich dann im Internet über die Edelweißpiraten. Im Dezember besuchten sie mit Raphaela Tkotzyk das El-De-Haus in Köln. Das Gebäude, das einst Gestapozentrale und Gefängnis war, dient heute als NS-Dokumentationszentrum. Dort erhielten die beiden Gymnasiastinnen noch weitere Informationen.

In ihrer Arbeit beschäftigten sich die 15-Jährigen nicht nur mit den Edelweißpiraten allgemein, sondern auch mit einzelnen Biografien. Luise Traxel schrieb über Jean Jülich, „einen der berühmtesten Edelweißpiraten“, wie sie sagt. Er wurde im Oktober 1944 von der Gestapo verhaftet und blieb bis Kriegsende wegen seiner „Verbindung zu den Edelweißpiraten“ in Haft. Jülich überlebte und wurde 1984 zusammen mit Barthel Schink und einigen anderen Edelweißpiraten vom Staat Israel als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Mit Barthel (eigentlich Bartholomäus) Schink hat sich Vanessa Behr genauer beschäftigt. Er gehörte zu der so genannten Ehrenfelder Gruppe. Im Sommer 1944 stieß Schink mit seinem Freund Günther Schwarz zu der Gruppe, die sich von den Edelweißpiraten abgespalten hatte. Sie wurde zu dieser Zeit von dem geflohenen KZ-Häftling Hans Steinbrück angeführt. Die Ehrenfelder Gruppe, auch Hans-Steinbrück-Gruppe genannt, verübte zunächst zahlreiche Lebensmittel- und Waffendiebstähle, versteckte aber auch geflüchtete Zwangsarbeiter, untergetauchte Juden und Deserteure.

„Zunächst waren wir uns sicher, dass die Edelweißpiraten Helden sind“, sagt Luise Traxel, „aber als wir uns genauer mit der Ehrenfelder Gruppe beschäftigten, stellten wir das in Frage. Denn diese Jugendlichen waren ja wirklich kriminell.“ Vanessa Behr setzt hinzu: „Aber alle Edelweißpiraten leisteten Widerstand und versuchten so, sich gegen die Nazis zu wehren, deshalb sind sie ja schon irgendwo Helden.“

In ihrer Projektarbeit kommen die beiden Mädchen deshalb zu dem Ergebnis: „Unserer Meinung nach waren die Edelweißpiraten Helden.“ Sie schreiben auch: „Der Widerstand der Edelweißpiraten sollte gerade in der heutigen Zeit, in der Rechtsradikalismus wieder viele Anhänger gewinnt und rechtsradikale Ausschreitungen immer häufiger werden, ein Beispiel für die Jugendlichen sein, sich gegen diese Ideologie aufzulehnen. Doch sollte die Bewegung der jungen Edelweißpiraten nicht nur beispielhaft für den Aufstand gegen ein totalitäres Regime stehen, sondern allgemein eine Aufforderung an Jugendliche sein, für ihre Ideale auch politisch einzustehen.“

Vanessa Behr und Luise Traxel sind für ihren Beitrag zum Geschichtswettbewerb mit einem Förderpreis ausgezeichnet worden.
 
KSTA - 12.08.09