Fröhliche Selbstbestimmung
Aus Rhein-Berg » Kultur regional Von Gisela Schwarz, 22.07.11, 11:17h - KSTA
Der Maler Rolf Jahn gestaltet eine Wand im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Er war dort selbst einmal Schüler, jetzt ist er Künstler mit selbst erfundener Stilrichtung.
Bei seiner Arbeit auf dem Gerüst hat Rolf Jahn immer wieder Zuschauer: Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums. (Bild: Gisela Schwarz)
Schon sein Dress wirkt fast wie ein Kunstwerk: Mit vielen bunten Farbspritzern auf der grünen Kleidung steht Rolf Jahn auf dem Gerüst vor dem 15 Meter hohen Wand im Treppenhaus des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums. Mit „wildem Schwung“ hat er zwei bis drei Meter hohe Vögel mit schwarzen Pinselstrichen auf die gelbe Wand platziert. Ein Papagei hat bereits einen gelben Schnabel und ein rotes Köpfchen. Doch der Künstler ist noch lange nicht fertig mit der Wandbemalung, die schon auf den ersten Blick gute Laune vermittelt.
Unermüdlich klettert er immer wieder auf den insgesamt vier Ebenen herum, nimmt Maß und skizziert weiter. Und er hat jede Menge Zuschauer. Zu jeder Stunde kommen ganze Schulklassen ins Treppenhaus, schmettern lustige Lieder und ernste Gospel-Songs. „Das ist wunderbar – der Gesang inspiriert mich beim Malen“, sagt Rolf Jahn, der im Gymnasium die „Raldystische Kunst“ ausarbeitet.
Vor vielen Jahren war auch er einmal Schüler am DBG, hat schon damals mehr gezeichnet als fleißig gepaukt. Aber seine Mitschülerin Dorothee Laske hat ihm geholfen, über die Runden zu kommen. Rolf Jahn hat dann Kunst studiert und ist ein Künstler mit eigenem „ismus“ geworden, also einer eigenen Kunstrichtung. „Raldystische Kunst“ nennt er die plakativ angelegten Skizzen, die er auf großen Hauswänden, Mauern und Innenwänden angelegt und bunt ausgemalt hat.
Ein bisschen erinnern sie an den Pop-Art-Künstler James Rizzi in New York, sind auch so fröhlich und farbenfroh angelegt. Den Namen dieser Kunstrichtung hat Rolf Jahn selbst erfunden. „Raldy ist ein emotionales Ideogramm“, sagt er. Früher habe er sich immer zurückgezogen zur Selbstbesinnung als ein „Raldy“ – den Namen hat er sich selbst gegeben. „Das war mit dem Ansatz: ,Ich geh mal gerade weg, komme aber wieder’“, erklärt der Künstler, der heute soziale Kunstprojekte durchführt, immer wieder auch in Schulen. Auch im DBG hat er vor zwei Jahren gemeinsam mit den Schülern im Flur zur Einweihung des neuen Schultraktes gestaltet.
Seine frühere Mitschülerin, inzwischen Ärztin und Vizevorsitzende des Fördervereins am DBG, hat sich an ihren früheren Schulkameraden erinnert und den Kontakt aufleben lassen. Jetzt ist sie froh, dass die emotionale Malerei auch im Gymnasium gute Laune verbreitet. „Wenn ich so ein Bild sehe, kann ich mich hineinversetzen und mich herunterfahren“, erklärt sie die Wirkung von Rolf Jahns Werken. „Die Selbstbesinnung durch Betrachtung.“
Und Schulleiter Gerd Josmann ist glücklich, wieder eine Aktion im Hause platzieren zu können, mit der sich die Schüler identifizieren können. Nicht nur die Lerninhalte seien wichtig, sondern auch die Gestaltung der Räume, in denen die jungen Menschen viel Zeit verbringen, habe eine Bedeutung: „Der Raum als dritter Erzieher.“