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KSTA 17.11.11

Zu Gast bei Herrn Merkel


Junge Erstwähler diskutieren im Dietrich-Bonnhoeffer-Gymnasium mit den Landratskandidaten. Die Schüler wollten ganz genau wissen, wofür die Kandidaten stehen.


Zu einer Podiumsdiskussion waren die Landratskandidaten ins DBG eingeladen worden. (Bild: Neumann)

Bergisch Gladbach - Von Politikverdrossenheit konnte bei der Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten am Donnerstag im Dietrich-Bonnhoeffer-Gymnasium keine Rede sein. Mit konzentrierten Mienen und klugen Fragen im Gepäck saßen die rund 250 Oberstufenschüler in der Mehrzweckhalle und verfolgten mit Interesse den Ausführungen der Landratskandidaten. Für die Schüler ist es die erste Wahl, bei der sie ihr Kreuzchen setzen dürfen. Und sie nehmen das sehr, sehr ernst.
 
Von der Lieblingsmusik bis zum peinlichsten Erlebnis seit der Schulzeit mussten die vier Landratsanwärter Hermann-Josef Tebroke (CDU), Gerhard Zorn (SPD), Frank vom Scheidt (Bündnis 90/ Die Grünen) und Jessica Seifert (Die Linke) Farbe bekennen. Und auch bezüglich der politischen Aussagen ließen sich die beiden Schüler-Moderatoren Lukas Kohlenbach und Alexander Merkel – nicht verwandt mit der Bundeskanzlerin – nicht abspeisen. „Man hört ja sehr häufig nur Phrasen von Politikern, bei denen man gar nicht genau weiß, was jetzt eigentlich dahinter steckt“, so Merkel nach der Veranstaltung.
 
„Uns war wichtig, da mal konkret nachzuhaken und aufzudecken, was die wirklichen Ziele der Landratskandidaten sind.“ Deshalb bekamen alle vier Bewerber um den Landratsposten die Gelegenheit, sich anhand gut recherchierter Fragen zu ihrer Person kurz vorzustellen und dann ihre Positionen in drei vorgegebenen Themenkomplexen vorzustellen – und zwar möglichst schnell. „Wir wollten eine offene Diskussion und keine langen Monologe“, so Kohlenbach.
 
So gelang es, die Diskussion immer wieder auf die Themen zurückzulenken, die den Schülern echte Anliegen sind. Vor allem der öffentliche Nahverkehr und die konkreten Auswirkungen der Energiewende auf den Rheinisch-Bergischen Kreis brannten vielen unter den Nägeln. Tosenden Applaus gab es so beispielsweise für Aussagen, die den Einsatz von regenerativen Energien befürworten. „Ich finde spannend, dass mittlerweile alle Parteien etwas in die Richtung machen wollen“, so die 17-jährige Ruth B. „Früher war das eher eine typische Grünen-Position. Es ist interessant zu sehen, dass sich das nun geändert hat.“ Für die Oberstufenschülerin ist es selbstverständlich, wählen zu gehen.
 
„Ich schwanke allerdings noch zwischen zwei Kandidaten. Durch die Diskussion ist sehr klar geworden, wen ich nicht wählen werde“ erzählt sie. In der an die Podiumsdiskussion angeschlossenen Fragerunde wurde mehrfach und sehr vehement seitens der Schüler auf das Nahverkehrproblem hingewiesen. Die Jugendlichen kritisierten, die Busfahrer der ortsansässigen Verkehrsbetriebe seien oft „sozial inkompetent“ und unfreundlich, die Tickets seien zu teuer und die Frequenz der Fahrten zu gering, Jessica Seifert riet diesbezüglich zu konsequenten Beschwerden bei den Unternehmen und mehr Eigeninitiative der Bürger. Grundsätzlich griffen aber alle Landratskandidaten das Thema auf und erklärten, sich dem Thema annehmen zu wollen. Lediglich über das genaue Konzept war man sich auf dem Podium nicht einig.
 
„In den Grundzügen war es schon so, dass die Positionen der vier Anwesenden in vielen Themen sehr ähnlich ausgefallen sind“, so Annett L. „Alle Kandidaten sind sehr sympathisch rübergekommen, finde ich. Ich werde auf jeden Fall wählen gehen. Aber wen, da muss ich mir noch mal Gedanken zu machen.“
 
Am Ende der Veranstaltung ging ein Großteil der Schüler mit positiven Eindrücken aus der Mehrzweckhalle raus. „Ich denke, die meisten haben ein besseres Bild von den Kandidaten gewonnen“, so Kohlenbach. Und Merkel fügt hinzu: „Eigentlich wusste ich schon vorher, für welchen Kandidaten ich mich entscheiden werde. Die Podiumsdiskussion hat das allerdings noch einmal bestärkt.“