23.12.2005 - Bergische Landeszeitung
Selbstsicherheit statt Hiebe
Neunerstufe des DBG stellte sich Konflikttraining für Jungen
Bergisch Gladbach. "Was guckst Du?" lautet der Titel einer Sat-1-Comedyshow von Kaya Yanar, diese Frage steht als Symbol für aggressives Verhalten gegenüber Fremden in der Öffentlichkeit. Oft werden Jugendliche von Gleichaltrigen mit diesem Satz angesprochen, häufig ist er Ausgangspunkt handgreiflicher Auseinandersetzungen. Doch wie kann sich ein Schüler gegen diese Art der Provokation wehren? In einem Konflikttraining für Jungen zeigt Martin Wild, Leiter des Zentrums für Aktion und Kultur (ZAK), mögliche Lösungen. Kurz vor Weihnachten hat die Jahrgangsstufe neun des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG) einen dreitägigen Exkurs gewagt: "Wir lernen viel über die Körpersprache, die den meisten doch noch fremd ist. Zudem zeige ich, wie man sich deeskalierend verhält. Dazu muss sich aber erst einmal jeder an seine eigene Nase fassen", so Wild. Die Polizei schaut als Mitveranstalter auch vorbei, ein Mitglied vom Kommissariat "Vorbeugung" erläutert den Ablauf bei Erstattung einer Strafanzeige. Vieles wird aber in spielerischer Form verdeutlicht: "Da geht es um Vertrauen und Grenzerfahrungen. So haben wir bei einer Übung Einzelpersonen mit dem Kopf nach unten gehalten. Bei einer anderen haben wir getestet, wann sich eine Person mit geschlossenen Augen bedrängt fühlt, wenn sich ihr jemand nähert", erklärt der Trainer den Sinn der Aktion. Egal, welcher Charakter auch getestet wurde, einfach alle Teilnehmer sagen bei einer Armlänge Abstand, also einem knappen Meter, "Stopp". Rollenspiele werden auf Video aufgezeichnet und später gemeinsam ohne Ton analysiert. Auch der Provokationsparcours, eine ein Meter breite Gasse, in der sich zufällig einige Rowdys aufhalten, muss durchschritten werden. Auf diese Weise entwickeln die Jugendlichen individuelle Lösungen, um eine Eskalation zu vermeiden. Selbstsicheres Auftreten nennt der Experte an erster Stelle: "Angreifer suchen sich Opfer, da kommt ei?ne geduckte, ängstliche Haltung gerade recht. Wer immer offen ist und sich selbstsicher präsentiert, wird auch seltener in einen Konflikt verwickelt", so Wild. Das Training kommt bei den Jugendlichen gut an: "Wir wissen nun, wie man sich gegen seine Mitmenschen wehren kann, ohne gleich gewalttätig zu werden und zu zuschlagen", ist der 15-jährige Jonathan Schwann überzeugt. http://www.em-jug.de/